Die Buchpreisbindung kostet den Staat nichts!

by Manuela Hofstätter on 16. März 2011

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Letze Woche haben die Jungfreisinnigen und die Junge SVP in der «Sonntagszeitung» zum Boykott des Schweizer Buchhandels aufgerufen, falls das Parlament die Buchpreisbindung wieder einführt. Vor allem der Aufruf, die «Bevölkerung soll die staatlich überteuerten Bücher meiden» erstaunt uns sehr. Unsere Bücher in der Schweiz sind mitnichten staatlich überteuert!

Tatsächlich bestimmt der Verlag den Preis eines Buches, wobei Bestseller helfen, weniger populäre, aber doch auch ganz wichtige Bücher querzufinanzieren. Der Staat legt also weder den Buchpreis fest, noch finanziert er diesen mit. Das Buchpreisbindungsgesetz schafft lediglich für sämtliche Buchhandlungen in der Schweiz (ob Klein- oder Grossbetriebe) die gleichen Bedingungen, was langfristig die Erhaltung einer vielfältigen Buchlandschaft ermöglicht.

Die Buchpreisbindung ist ein gut funktionierendes Instrument, welches zudem von unseren Nachbarländern auch angewendet wird. Übrigens, Sie werden staunen, auch der Onlinehandel unserer Nachbarländer hält sich strikt an die vorgegebenen Preise. Ja, auch Amazon DE.

Wenn Sie im Urlaub in Deutschland ein Buch zu einem günstigeren Preis einkaufen, gönnen wir Ihnen das Ferienschnäppchen gerne, Sie bezahlen dort ja auch erstaunlich weniger für ein Joghurt oder andere Dinge. Aber eben, es ist ein Ferienschnäppchen, denn Sie gehen in den Urlaub mit Ihrem Schweizer Lohn. Kennen Sie den Lohn ihres Berufskollegen in Deutschland? Sie werden feststellen, dass er deutlich niedriger ist als Ihrer.

Also freuen wir uns doch, dass das (übrigens von uns gewählte) Parlament uns die Buchpreisbindung wieder zurück gibt. Seien Sie versichert, der ohnehin schon knapp kalkulierte Buchpreis entspricht dem Schweizer Lebensstandard (Höhere Löhne, höhere Mieten ect. im Vergleich zu Deutschland). Wir verdienen keine goldenen Nasen, vielmehr überlebt die Buchbranche oft dank begeisterten Berufsleuten und deren Engagement.

Lassen Sie uns weiterhin mit Freude unseren Beruf ausführen!

Regula Fankhauser
Manuela Hofstätter
Hanni Meinen Peternell

Buchhändlerinnen des Bücherperrons in Spiez

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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1 Alice Gabathuler März 16, 2011 um 13:39 Uhr

Ich fange beim letzten Abschnitt an: Volle Zustimmung.

Und jetzt der schwierigere Teil. Wenn mein Buch in Deutschland 9.90 Euro kostet, kostet es in Österreich 10.30 Euro … und in der Schweiz bis zu 18.90 CHF. Man rechne. Mir ist schon bewusst, dass damit unsere höheren Kosten (Löhne, Mieten ect.) gedeckt werden. Nur: Vielen Menschen ist das zu viel. Sie bestellen bei Amazon, wo auch der Schweizer 9.90 Euro bezahlt (und wo ihm dann das Produkt an der Kasse noch etwas billiger angeboten wird). Wenn nun der Schweizer Buchhandel, der ja auch eigenen Online-Portale hat, fix an einen Preis gebunden ist und im Internet gleich viel verlangen muss wie in der Buchhandlung, bestellt der preisbewusste Schweizer dann halt in Deutschland. Damit wird dem Schweizer Online-Handel eine Menge Geld entgehen. Denn: Wie man eine Forderung nach Schweizer Preisen für Schweizer Besteller bei Amazon und allen anderen deutschen Online-Anbietern durchsetzen will, ist mir ein Rätsel.

Kommt dazu, dass das die Internetpiraterie auch in der Schweiz an Fahrt gewinnt, was bedeutet, dass Bücher kostenlos aus dem Netz bezogen werden können. Dagegen schützt auch keine Buchpreisbindung.

Und noch ein Nebengedanke: Als Autorin verdiene ich meine Tantienem auf den deutschen Ladenpreis, da ich in Deutschland veröffentlicht werde. Sprich: Auch ich habe nichts vom verordnet höheren Schweizer Preis. Das ist dem Käufer vielleicht nicht bewusst, aber mir schon :-(

Ich fürchte, die Sache ist nicht so einfach. Und ich bin nicht sicher, ob wir uns mit einer Wiedereinführung der Buchpreisbindung nicht ins eigene Fleisch schneiden. Leider habe auch ich keine Rezepte für die Erhaltung der Büchervielfalt. Eine Möglickeit ist eine verstärkte Leseförderung (wobei ich die Leseförderung in der Schweiz als sehr gut empfinde), die schon bei Kindern und Jugendlichen die Lust auf Vielfalt weckt. Wer Lust auf Vielfalt hat, wird sie später auch einfordern. Die andere Möglichkeit ist, immer und immer wieder auf die lokalen Buchhändler hinzweisen. Ich mache das bei meinen Lesungen, wenn die Jugendlichen fragen, wo sie meine Bücher kaufen können. Da sage ich immer: Im lokalen Buchladen (und setze dann zu einem kleinen Vortrag über lokale Buchhandlungen und ihre wichtige Bedeutung an!).

Wenn ich jedoch der jungen Politikergeneration zuhöre, die im Internet das Allheilmittel sieht, wenn ich mit Vertretern der Piratenpartei diskutiere, die das kostenlose Teilen von Dateien (auch gratis aus dem Netz kopierten Büchern) befürworten und darin absolut nichts Verwerfliches sehen, dann denke ich, dass wir viel grössere Probleme haben als die Buchpreisbindung.

2 Lukas März 16, 2011 um 15:20 Uhr

Ein interessanter Artikel dazu findet sich hier beim “Basler Buchhändler- und Verlegerverein”

Buchpreisbindung: Schlussabstimmung am 18. März

Ständerat und Nationalrat wollen ein Buchpreisbindungsgesetz ohne jede Ausnahme. Noch steht dem neuen Gesetz allerdings die Schlussabstimmung in Stände- und Nationalrat bevor. Auf die Schlussabstimmung hin machen die Gegner des Preisbindungsgesetzes noch einmal lautstark auf sich aufmerksam – leider auch mit viel sachlichem Unsinn und nicht zu unterschätzender Heuchelei: Die SVP etwa, die Milliardensubventionen der Landwirtschaft samt Exporthilfen und festem Milchpreis verteidigt, kanzelt die Buchpreisbindung als ordnungspolitischen Sündenfall ab.

Die wirtschaftsliberalen Vertreter der Bankenbranche, die ebenso mit Ordnungspolitik argumentiert, haben aber mitgeholfen, mit Milliardenbeträgen die Banken zu retten. Die Zeitungsjournalisten, deren Produkte an allen Kiosken der Schweiz gleichviel kosten und deren Verlage sich den Postvertrieb durch den Staat mitfinanzieren lassen, zeigen sich resistent gegenüber den guten Argumenten für eine Buchpreisbindung.

Die oft bemühten Konsumenten, die Bücher sowieso zu teuer fänden und tiefere Preise forderten, möchten allerdings selber auch weiterhin doppelt so viel verdienen wie Berufskollegen in den Nachbarländern.

“Noch einmal braucht es den ganzen Einsatz der Buchbranche, damit am 18. März das Buchpreisbindungsgesetz angenommen wird”, ruft SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf auf.

Mehr Hintergrundinformationen rund um das Preisbindunggesetz und Kontaktinformationen für ein aktives Lobbyieren sind unter folgneder Adresse zu finden: http://www.sbvv.ch/buchpolitik

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