Keiner Fliege was zuleide tun … auf ein friedliches neues Jahr!

by Manuela Hofstätter on 28. Dezember 2016

Vorneweg, ich bin ein Mensch, der Gewalt verabscheut, ein Lebewesen ist mir etwas wert, ich öffne sogar den Fliegen das Fenster und versuche, sie hinauszubitten. Als Kind war ich da schon eher anders gestrickt noch, ein Lieblingsspiel aus meiner Kindheit war das Fliegen quälen, einmal gefangen mit dem Joghurtbecher, wurden die Tiere dann wild geschüttelt auf dem Tisch. Wenn etwa ein Bein der Fliege verloren ging bei diesem brutalen Spiel, war es dann spannend zu beobachten, ob die Fliege noch flugtauglich war und ob sie wohl nur noch im Kreis fliegen würde.

Meinen Kindern bringe ich bei, dass jedes Lebewesen zu achten ist, bei der Mücke gelingt es nicht ganz, aber im Allgemeinen beobachte ich die Kinder in einem sorgfältigen Umgang mit den Tieren. Heute bin ich am Wäsche hängen, da kommt ein Freund auf mich zu, er will mir etwas berichten. Der Freund ist seit langen Jahren Lastwagenchauffeur, er ist eine Berner Oberländer Frohnatur, lacht gerne und auf ihn trifft das Stichwort gut zu, er tut keiner Fliege etwas zuleide. Natürlich kann man verbale Auseinandersetzungen haben mit diesem Mann, doch selbst dort findet er gerne wieder mit einem Witz zum Lachen zurück und sucht den Frieden.

Jetzt aber ist ihm auf der Arbeit etwas zugestossen, ein Arbeitskollege hat behauptet, er habe schlecht über ihn gesprochen und wurde handgreiflich. In der Waschanlage attackierte der Arbeitskollege mehrmals sein völlig wehrloses Gegenüber. Wehrlos deshalb, denn der Attackierte hat lediglich mit seinen Händen sein Gesicht geschützt und versucht, nicht zu Boden zu gehen, ganz bewusst schlug er gar nicht zurück, selbst wenn er das gekonnt hätte. Gerne erwähne ich hier auch noch, dass dieser Freund fit ist, attraktiv und sympathisch. Ein anderer Arbeitskollege hat dann versucht, den Angreifer von ihm wegzuziehen, mehrmals, aber danach betonte dieser Arbeitskollege, er habe nichts gesehen.

Bei seinen Chefs machte der schockierte Chauffeur nun Meldung vom erlebten, hoch rechne ich ihm an, dass er ehrlich ergriffen erzählt, ihm seien die Tränen gekommen. Später, im Dunkeln, wird er erneut vom brutalen Kollegen gewalttätig angegangen, zum Glück ist er nicht ernsthaft verletzt worden, was sicherlich auch das Resultat seines gewaltlosen Verhaltens zu verdanken ist. Nun wird der Chauffeur im neuen Jahr sehen, was passieren wird oder schon passiert ist, ich hoffe fest, er muss diesem Kollegen nicht mehr begegnen. Es hat sich nicht um die erste Gewaltattacke dieses anderen Chauffeurs gehandelt, und ich frage mich schon, ob so ein Kerl für einen Betrieb tragbar sein kann.

Unsere Gesellschaft ist ja ohnehin immer gewaltbereiter, das macht mir ganz ehrlich gesagt Angst. Der Freund wurde zu Hause von seiner Liebsten getröstet, auch sie musste weinen und ich gestehe, mich hat sein Bericht auch erschüttert. So endet ein Jahr und ich denke an das neue Jahr, das da vor der Türe steht, nebst grossen brachialen Akten der Gewalt habe ich diese von einer einzelnen Person erzählt, ein Unterschied besteht für mich da nicht, Gewalt ist immer grausam und ich verachte sie zutiefst. Es bleibt mir nur zu sagen: Lieber Freund, danke, dass du mir dein Erlebnis anvertraut hast und Dankeschön, dass du so grossartig hast reagieren können, ich hätte mich wohl gewehrt und damit noch Schlimmeres ausgelöst.

So ein Mann, den nenne ich jetzt einen Helden und ich wünsche ihm, das er solcherlei Schlimmes nicht mehr erleben muss. An die Adresse des zwar eingreifenden, aber dann doch schweigenden Kollegen bleibt mir nur zu schreiben, ich kann das verstehen, ich denke, Angst ist eben immer ein gefährlicher Berater, ich wünschte mir doch Zivilcourage in einem Arbeitsteam im Alltag und wo auch immer. Ich hoffe, ich könnte richtig reagieren, wenn ich in eine gefährliche Situation gerate. Betroffen von der Begegnung mit diesem Freund wünsche ich mir ein friedliches neues Jahr, eines, in welchem man Achtung vor den Menschen und dem Leben an den Tag legt.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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