Kulturpicknick

by Manuela Hofstätter on 2. Juni 2011

Verwöhnwochenende in Baden, Genuss und Kultur pur!

Panorama Baden

Eltern sein, das ist nicht schwer, bloss manchmal extrem anstrengend, und Entspannung ohne Kinderchen, dass ist bei uns höchst selten möglich, aber letztes Wochenende, da sind wir ausgebüxt, und zwar so richtig edel und herrlich auf uns abgestimmt, ausgebüxt nach Baden zu einem Weekend mit Kulturpicknick. Ein solches Geschenk, das liessen wir uns nicht entgehen.

Schon auf der Fahrt nach Baden, zeigte sich die Sonne immer freundlicher und neugierig traten wir aus dem Bäderparkhaus um unser Hotel, den Limmathof, zu suchen. Ach du liebes Bisschen, das dachten wir beide zuerst unabhängig voneinander, der Anblick aufgerissener Strassen und leer stehender Hotelruinen stimmte uns nicht gerade euphorisch, doch da kamen wir um die Ecke und der wunderschöne Limmathof erstrahlte in voller Pracht vor uns im Sonnenlicht. Achtung, auf diesen “Bauzustand” auf dem Weg zum Hotel, auf den kommen wir noch zurück, denn der stimmt dann eben doch auch euphorisch. Ein herzlicher Empfang liess uns endgültig ankommen und die Tatsache, dass wir unser Zimmer sogar schon beziehen konnten, passte uns natürlich auch sehr gut.

Villa Langmatt

Das moderne Zimmer gefällt uns ausnehmend gut, aber wir mussten gleich los, denn unser Picknickkorb in der Villa Langmatt wartete um 13 Uhr auf uns. Nach einem kurzen Spaziergang treten wir ein in einen wunderschönen Park, mitten darin steht die Villa Langmatt, welche ein Museum beheimatet. Doch unsere Mägen knurren und welch Glück, innert Kürze halten wir einen schweren Picknickkorb und zwei Decken in den Händen. Bald haben wir ein lauschiges Plätzchen ausgesucht und öffnen unseren Korb. Wer uns kennt, der weiss, wir schlemmen nun mal gerne und beim Anblick dieser zahlreichen Leckereien im Korb geraten wir so ziemlich aus dem Häuschen. Wir stossen an auf unser Wochenende ohne Kinder, mit regionalem feinen Wein, und wir essen und plaudern, geniessen und staunen, lassen endlich mal die Seele baumeln. Die Sonne entwickelt Kraft, aber es gibt unter den vielen Bäumen oder in den Liegestühlen auch schattige Plätzchen. Wir schlemmen lange und ausgiebig, die Region weiss, was sie Leckeres zu bieten hat, von der Vorspeise bis zum Dessert eigentlich. Zum Beispiel ist nebst leckerem Obst auch eine Spezialität einiger Bäckereien Badens mit im Korb, das Spanische Brödel wurde wieder zum Leben erweckt. Aber viel mehr zum Inhalt des Picknickkorbes verraten wir nicht, überraschen lassen heisst die Devise. Hell begeistert bin ich natürlich, als ich die passende Lektüre im Korb auch noch gleich finde, einen Gedichtband, sofort blättere ich und lese vor, also wirklich, so königlich hab ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Aber wir wären nicht Hofstätters und ich nicht ich, wenn ich nicht immer für Chaos sorgen würde. Begeistert will ich diesen perfekten Moment in Wort und Bild festhalten und in die Welt hinaus twittern, da stelle ich mit schneller pochendem Herzen fest, mein geliebtes iPhone ist weg, ich verlege ja dauernd alles, aber jetzt hab ich wohl zum ersten Mal etwas verloren. Ach du Schande, mein Mann wird ganz und gar nicht erfreut sein, fieberhaft denke ich nach und beichte ihm die missliche Situation. Beschwichtigend füge ich hinzu, dass das Gerät sicherlich im Auto oder im Hotel liegt, so sicher fühlt es sich in mir aber gar nicht an. Wir beschliessen aber, dass wir uns diese schöne Stimmung nun nicht verderben lassen möchten, sondern aufmerksam ins Museum in der Villa gehen wollen und später danach suchen werden um gegebenen Falles entsprechend zu handeln.

Am Lesen

Die Villa Langmatt gehörte einer Industriellenfamilie namens Sidney und Jenny Brown, wurde erbaut von Karl Moser im Jahr 1900/01. Die Familie Brown liebte die Kunst und richtete sich ihr Heim entsprechend ein. Das Museum beinhaltet Malereien der Vorimpressionisten und Impressionisten wie etwa Cézanne, Boudin und Pissarro, aber auch erlesenes Mobiliar des 18. Jahrhunderts sowie einige chinesische Keramiken und vieles mehr. Gierig beinahe schon bestaune ich die Hausbibliothek, oh doch, da würde ich gerne einmal länger Zeit haben und die Erlaubnis, diese Sammlung in den Händen halten zu dürfen. Wir amüsieren uns auch noch über unser kleines Missverständnis zur Ausstellung im ersten Stock, das Thema “Baden” hat sie diese Ausstellung und ich freue mich, denn wenn ich schon hier in Baden verweile, erfahre ich doch auch gerne etwas zur Geschichte Badens. Aber ich erblicke Bilder, gar Karikaturen sind mit dabei und sie erzählen nichts über die Stadt, sondern über die Tätigkeit des Badens an sich. Auch gut, sagen wir uns und lachen, zudem sind wir auch etwas müde geworden und freuen uns auf eben genau diese Tätigkeit, baden zu gehen, im Wellnessbereich unseres Hotels. Also nehmen wir Abschied von der Villa Langmatt, unvergesslich schön war es. Dann kurzfristig hektische Ernüchterung, mein iPhone ist nicht im Auto und auch nicht im Hotel, inständig flehe ich, lieber Gott, lass das nicht wahr sein, nicht an unserem Wochenende. Tja und offenbar sind die Götter in Baden auch gut gelaunt, denn beim zweiten Suchkontrollgang im Auto haben wir die geniale Idee – Offenbar sind wir so entspannt, dass uns das Denken bereits etwas schwerfällt – dass mein Mann mit seinem iPhone auf meines anruft und siehe da, neben dem Sitz ertönt ein leises Surren und ein sanftes Licht weist mir den Weg zu meinem iPhone. Die Welt ist wieder völlig in Ordnung.

Lift zum Himmel

Dermassen erleichtert stürzen wir uns noch in einen Einkaufsbummel in Badens Läden, Schuhe für meinen Mann und eine Kleinigkeit anzuziehen für die Frau, wenn ich denn schon einmal in Ruhe etwas anprobieren kann, nicht wahr, das sollte Frau doch nutzen. Einkaufen macht durstig und der Himmel – diese Bäckerei heisst echt so – hat auch sehr leckeren Kuchen. Wenn man in Baden ist, sollte man dort auch im Himmel sein finde ich, er ist sicherlich nicht überall so einfach zu erreichen. Übrigens, wenn man auf dem Weg der Limmat nach spaziert, trifft man plötzlich auf einen Lift und dieser schwebt mit seinen Passagieren eben in die Höhe, direkt vor den Himmel!

Etwas später sitzen wir dann im herrlichen und übrigens mineralienreichsten Wasser der Schweiz in der Whirlpoolecke und denken mal fast an gar nichts. Ach wie goldig ist es auch für einmal wieder spät zu Abend essen zu können, eben nicht schon um 18 Uhr, wie wir dies als Familie tun. Ich werde eingeladen ins Kasino von Baden, mein Lukas hat entdeckt, dass es dort Agnus Beef auf der Karte hat, herrlich, ganz köstlich! Müde und selig sinken wir in unsere Hotelbetten, es war ein grandioser Samstag, ach ja, und natürlich war das noch nicht alles, ich schusseliges Weibsbild habe aus lauter Erleichterung, dass mein iPhone im Auto lag, die Autotüre nicht richtig geschlossen. Wir werden nicht mehr aus diesem Bäderparking fahren, das Auto macht keinen Wank mehr. Doch diese Tatsache kann uns nicht mehr erschüttern, wir sind ja TCS-Mitglied, Morgen brauchen wir dann halt eben Starthilfe.

Beleuchtung Rittersaal

Sonntagmorgen 08.00 Uhr, wir öffnen unsere Augen, was ist daran wohl falsch? Richtig, gar nichts, es ist nur nicht normal. Normal ist, dass wir um sechs Uhr lautstark von unserem Sohn dazu aufgefordert werden, dass der Tag nun zu beginnen habe. Unser Sonntag aber beginnt jetzt mit einem kleinen, feinen Frühstücksbuffet im Rittersaal des Hotels. Tatsächlich sitzen alle gemeinsam an einer langen Tafel, das ist originell und die Lampen im Raum lassen mich gleich wieder abheben, sie sind gestaltet aus lauter Botschaften auf Zetteln, welche Gäste hier hinterlassen haben. Wir verlassen den Limmathof, schön war es hier! Ja, und jetzt lüften wir das Geheimnis mit den aufgerissenen Strassen: Baden will ein neues Bad bauen, ein Projekt entworfen von Mario Botta. Bei Baubeginn aber stiess man auf alte Römerbauten und nun ist die Kantonsarchäologie Aargau eifrig an der Arbeit. Dies könnte den Tourismus vielleicht etwas behindern, aber ich finde, genau das Gegenteil ist der Fall, solch ein Fund ist nämlich einzigartig und darum geniessen wir es, alle Informationstafeln zu lesen und die Ausgrabungen zu bestaunen.

Ausgrabungen aus der Römerzeit

Voilà, so haben wir nun ein Stück Geschichte der Stadt Baden erleben dürfen und bei diesem Stück Geschichte geht es wiederum um die Tätigkeit des Badens, wir schmunzeln, die Kreise schliessen sich.

Aber jetzt geht es noch kurz auf einen Trunk in die Höhe, auf die Burg Schartenfels, herrlich hier oben zu Lesen mit herrschaftlichem Blick runter auf die Stadt. Bevor wir uns verabschieden von der Stadt Baden, steht uns noch ein absolutes Highlight bevor, das Kindermuseum mit der Sonderausstellung “Faszination Buch”. Diesen Tipp haben wir vom Verkehrsbüro Baden bekommen, welches freundlich und begeistert hilft bei Anfragen. Ins Kindermuseum ohne Kinder? Klar doch, ich muss üben, damit ich wenigstens ein paar Kunststücke kann, wenn unsere Kleinen dann genug gross sind fürs Museum. Das Kindermuseum ist ein Museum zum anfassen, fast in jedem Raum kann man etwas machen. Lachen schallt durch die Räume, grosse und kleine Kinder freuen sich. Wir uns auch: “Schau mal Schatz, dieses Spiel hatte ich auch als Kind”, oder “Mensch, toll, das spielt man immer noch Heute”! Es ist herrlich abzutauchen in die Welt der Spiele und Spielsachen aus der alten Zeit bis ins Heute, eine Kulturgeschichte der besonderen Art. Erstaunt stellen wir fest, dass wir auch schon älter sind, was hatten wir doch bereits für alte Schulpulte, sogar noch mit Tintenfässchen. Ja, und dann schlägt mein Herz höher: Die Sonderausstellung “Faszination Buch”. Am Anfang der Ausstellung finde ich meinen Beruf erklärt, ach tut das gut in einer Zeit, in welcher ich manchmal zweifle, ob Buchhändlerin als Beruf überhaupt noch erkannt wird und ich eben immer mal wieder erklären muss, dass ich keine einfache Verkäuferin bin. Begeistert gehen mein Mann und ich unter in der Welt der Bücher, freuen uns an alten Kinderbüchern, welche man schon fast vergessen hat und bewundern einige Installationen rund ums Thema Buch.

Kindermuseum Baden

Nach langer Zeit treffen wir uns beim abschliessenden Film, in welchem diverse Personen ihre Beziehung zu Büchern erzählen und Einblicke gewähren in ihre Berufe rund ums Buch. Von der Schülerin zum Stiftsbibliothekar von Sankt Gallen, vom Verleger zur Bilderbuchillustratorin, vom Pfarrer zum Autor und so weiter, eine faszinierende Ode aufs Buch! Ich schwebe förmlich aus dem Kindermuseum und merke erst draussen, dass ich so richtig Hunger habe. Richtig, wir haben das Mittagessen völlig vergessen! Das Kindermuseum Baden ist alleine schon eine Reise wert und für uns war es kulinarisch so wie kulturell ein absoluter Höhenflug dieses Wochenende. Übrigens ist das Angebot des Kulturpicknicks Baden zu einem sensationellen Preis zu haben. Wir finden das ist eine herrliche Idee, um zum Beispiel einen Partner oder Freund zu überraschen, oder aber auch ein geniales Hochzeitsgeschenk.

Wer Lust bekommen hat, hier einige Links: Baden ist mehr als eine Reise wert.

http://www.baden.ch/kulturpicknick
http://www.langmatt.ch
http://www.limmathof.ch
http://www.kindermuseum.ch
http://www.spanischbroedli.ch

So, das war es also unser Wochenende und wir sind uns einig, solche Sachen wollen wir nun öfters einplanen!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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