Kutteln, oder die Finanzierung eines neuen Fahrrades

by Manuela Hofstätter on 31. August 2005

Als ich acht Jahre alt war, kam ich zu meinen Grosseltern, sie waren es, welche mich nun grosszogen. Dies war für alle Beteiligten nicht immer ein leichtes Unterfangen und manchmal alles andere als witzig, klaffte da doch ein beträchtlicher Generationenunterschied.

Am allerschlimmsten aber war das Thema Ernährung.

Wir hatten nebenbei einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit einigen Tieren. Dummerweise aber sah ich die Hasen und was es da sonst noch so für Viechlein hatte, lieber draussen quicklebendig umherhüpfen als etwa als Sonntagsbraten oder ähnlichem auf dem Teller.

Natürlich gab es heftige Tränen meinerseits, versöhnliche Worte meiner Oma andererseits, aber immer den unerbittlichen Opa, welcher darauf bestand, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt und damit basta.

Mein Opa ist nicht gerade das was man weichherzig nennen kann, ass ich schliesslich nicht alles, half er schon einmal mit einer Kopfnuss oder ähnlichem nach.

Gab es etwa zähen alten Ziegenpfeffer, kaute ich leidend auf dem Fleisch herum, bis ich einem Hamster ähnliche prallvolle Backen hatte. Nun war der Zeitpunkt wo ich anmeldete, dringend aufs Klo zu müssen, gewiss, das sprechen war jeweils schon etwas eingeschränkt…“ ich muss mmmal aufs Klo…“

Nein, nicht dass sie jetzt denken, ich hätte dies nicht tun dürfen, so böse war der Opa auch wieder nicht, bloss viel cleverer wie ich, denn natürlich durfte ich aufs Klo, nachdem ich runtergeschluckt hatte. Nötigenfalls musste ich mein offenes leeres Maul präsentieren und die Zunge weit rausstrecken.

Tja, auf dem Oertchen  angekommen war da leider kein unliebsamer Knäuel mehr in meinem Mund stattdessen konnte ich höchsten ein kleines Angstpippi ins Klo machen oder bloss die Spülung betätigen. Nun, es gab der Dinge viele, welche ich nicht essen wollte, eines aber wollte ich unbedingt und zwar ein neues Rad. Immer wurde ich gehänselt  wegen meines alten klapprigen Dreigängers. Es fand sich eine gute Lösung für mein Finanzproblem, ass ich etwas nicht gerne oder zum ersten Male, bekam ich pro gegessenem Teller des ungeliebten Mahls einen Batzen.

Ich wurde immer raffinierter im aushandeln der Preise, schliesslich wollte ich es ja rasch zu einem neuen Bike bringen.

Eines schönen Tages, lagen da Kutteln auf dem Teller, sehr ausführlich erklärte mir mein Opa auch was genau und von wo Kutteln sind, bloss half dies nicht gerade meinem Appetit  auf die Sprünge.

Ich zierte mich, ich heulte gar wieder einmal, kündigte einen Hungerstreik an und lieferte eine prächtige Szene ab. Schliesslich lenkte ich ein, aber zu einem horrenden Preis pro Teller, so dass ich für einen Augenblick fast Angst bekam meine List könnte nicht ziehen. Sie zog und ehrlich gesagt, fand ich diese Kuttel mit der herrlichen Tomatensauce , von Oma gezaubert gar nicht so schlimm.

Ich ass sogar einen zweiten Teller, lohnte sich auch, doppelt!

Heute geniesse ich es, dass ich absolut alles gerne esse, freue mich riesig etwas neues zu schmecken und das Kochen ist mir zu einer Leidenschaft geworden.

Um so mehr gehe ich auch gerne fein essen, schade finde ich nur, dass gewisse Dinge auf den Speisekarten kaum anzutreffen sind, so auch Kutteln!

Ehrlich gesagt sind sie mir Heute gar eine willkommene Abwechslung, für welche ich gerne einmal etwas zahlen würde statt mir bezahlen zu lassen.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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