Leseblockade und die besten Wünsche im neuen Jahr!

by Manuela Hofstätter on 8. Januar 2018

Das neue Jahr hat bei mir persönlich mit ganz vielen Begegnungen gestartet, endlich war da einmal Zeit, sich mit all den vielen Freunden zu treffen, welche man vernachlässigt hat. Das Schöne daran ist ja, die richtigen Freunde, die bleiben und sind nicht fordernd. Im letzten Jahr haben wir als Familie viel erlebt und das Lesefieber durfte ein Rekordjahr verbuchen, die Begegnungen und Geschichten, die ich erleben durfte, die würden in der Tat den Stoff für einen Roman liefern. Ich habe enorm viel Mehl, Zucker, Dutzende Eier und weitere Zutaten verbraucht und wahre Backorgien durchlebt. Im Dezember war es dann plötzlich ruhig, es war Zeit da zum Backen mit vielen Kindern, zum Basteln und Diskutieren in der Familie und mit Freunden. Natürlich sind wir als Familie auch im letzten Jahr häufig draussen in der Natur unterwegs gewesen und unsere Brätlistellen sind durchs Jahr hindurch immer wundervoll, da stört es uns auch nicht, wie warm oder kalt es gerade ist. Im Sommer hatten wir beim grossen Familienbräteln mit Freunden an deren Geheimstelle an der Kander Regen, kaum waren die Würste durch, doch dieser konnte uns nicht abschrecken, auf die Schnelle wurden kreative Unterstände gebaut und es war sehr lustig.

Im Dezember erlebte ich aber auch etwas für mich ganz Schräges, eine totale Leseblockade. Die Zeitung, die hab ich noch gelesen, doch da kriegt man ja ständig Kummerfalten und Zornesausbrüche. Aber ich konnte tatsächlich kein Buch mehr lesen, es ist ein ganz komisches Gefühl gewesen, eine unerklärliche Müdigkeit, ja gar Langeweile ist über mich gekommen, sobald ich in einem Buch einen Satz gelesen habe. Meistens lese ich ja abends im Bett, also schlief ich so schnell ein wie noch nie in meinem Leben. Irritiert liess ich die Bücher dann eben Bücher sein und schaute öfters mal einen Film. Was ist nur mir mir los, dachte ich und denke es noch, denn es ist immer noch so eine leise Angst da, dass wenn ich ein Buch aufschlage, ich sogleich einschlafen werde. Wird Lesen im Grunde genommen überbewertet, oder ist es nur ein echter Zeitrauber?

Ich habe viel darüber nachgedacht, die Zeit ist kostbar, wir wissen nie, wie viel davon wir noch haben und darum möchte man sie richtig nutzen. Ständig wirble ich durchs Leben, wir sind eine schnelle und wilde Familie, vielleicht war das letzte Jahr ein wenig zu schnell? Gestern sass ich völlig nutzlos ewig lange vor unserem Feuerchen am Fluss, es war faszinierend wie auch beruhigend und es hat einfach gut getan. Abends spreche ich mit meinem Mann über ein Foto von Trump, es zeigt dessen “Stable Genius” so klar und deutlich, wir lachen. Lachen ist etwas Herrliches, ich will viel mehr lachen! Eigentlich ist es aber auf unserer Welt gar nicht lustig, wie kann ich da lachen?

Im letzten Jahr sind die unterschiedlichsten Gefühle stark in mir hochgekommen. Meinen Kindern zusehen, beim Streiten wie beim Gernehaben, ein unbeschreibliches Gefühl. Verlust, Trauer und Melancholie zuzulassen, ich habe Menschen verloren, es tut unendlich weh. Ich habe neue Begegnungen geschenkt bekommen, sie funkeln wie Sterne am Himmel, ich habe völlig unverhofft ein Weihnachtsgeschenk bekommen, obwohl wir dieses Jahr in der Familie das Schenken endlich gestrichen haben wollten. Es klappte natürlich nicht mit der Vereinbarung, die Schenkerei sein zu lassen, zuerst löste das Wut in mir aus, dann Scham, denn ich hatte nun selbst keine Geschenke gekauft und endlich dann Humor und das Wissen, dass es ja aus Liebe und nicht um zu Ärgern geschah.

Ich liebe übrigens Geschenke und beschenke auch andere gerne, aber am liebsten eben einfach so, oder zu Geburtstagen. So erhielt ich also von einer grandiosen Frau, welche mir so nahe ist und dabei kennen wir uns nur durch unsere Worte, die wir ausgetauscht haben und einen kurzen Blickkontakt ein wundervolles Notizbuch. Sandra, du hast mich derartig berührt und es ist so ein Riesengeschenk diesen Draht zu dir haben zu dürfen und ich freue mich ganz unbändig auf alles Kommende. Ich erlebte meinen schönsten Geburtstag überhaupt, eine gewisse Julia hat da einen grossen Anteil daran und auch ein gewisser Tim. Die besten Momente im Leben, die habe ich immer wegen der Bücher und der Literatur erlebt. Also, was soll das mit dieser unsäglichen Leseblockade?

Über 50 Bücher des letzten Jahres musste ich aussortieren, obwohl ich diese zu lesen versprochen habe und über 50 allesamt famose Autorinnen und Autoren sind nun wohl von mir enttäuscht, dies ist es wohl, was mir am meisten zugesetzt hat. Ich bitte an dieser Stelle alle diese Künstler um Verzeihung, ich schaffe einfach nicht alles. Aber all diesen Künstlern sei garantiert, wenn ein Buch nicht von mir gelesen wird, heisst das niemals, dass ich das Buch nicht gemocht hätte, ich tue diesen Büchern anderweitig Gutes, ich verschenke sie ganz gezielt oder sie gehen ihre Wege auf andere Art und Weise. Auf jeden Fall ist ein Buch für mich wie die eigene Familie, etwas, das ich liebe und entsprechend damit umgehe. Ich bekomme fast täglich Bücher in der Post, häufig unangefordert, das kann mich mal ärgern, aber eigentlich möchte ich noch viel mehr Bücher bekommen, die Chance, dann diese Perlen zu finden, ist somit viel besser gewährt. Also liebe Verlage, sendet mir doch eure Titel, ich mache so oder so etwas Gutes daraus, versprochen. Die Liebe, die Sehnsucht, die Leidenschaft, oh, das sind mir menschliche Regungen, welche mich täglich um- und antreiben. Es gibt so viele Arten zu lieben, das letzte Jahr war auch diesbezüglich ein ganz besonders. Eine grosse Liebeserklärung möchte ich meinem Mann machen, der alles mitträgt, was mir wichtig ist und der ebenfalls viel Kraft und Energie ins Lesefieber investiert. Und auch dir da draussen, ja genau, du weisst schon, wer gemeint ist, du hast mich sehr berührt und ich muss dir gestehen, ein wenig habe ich mich auch in dich verliebt!

So versuche ich nun endlich auf einen Schlusspunkt zu kommen, egal wie diese Welt ist, positiv zu denken und zu handeln ist immer der bessere Weg. Positiv zu denken und zu handeln, wer diese These und deren tatsächlichen Auswirkungen nachlesen will, der lese bitte “Erich Wyss übt den freien Fall” von Tim Krohn (Projekt: Menschliche Regungen, Band 2). Lesen ist immer etwas vom Besten überhaupt, was der Mensch in seinem Leben tun kann, ich habe nicht zuletzt dank Tim Krohns Buch meine Blockade überwunden, ich bin wieder hier, ich lebe, weil ich lese, ich erlebe die Kostbarkeiten im Alltag, weil ich lese, lesen ist einfach alles: Lebenselixier, Fantasie, Lust!

So, ich wünsche allen ein bewegtes, abenteuerliches und sinnliches neues Jahr, hoffentlich bei guter Gesundheit! Ich habe nun keine Zeit mehr, ich will lesen!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Angelika Förster Januar 9, 2018 um 16:30 Uhr

Liebe Frau Hofstätter, ein sehr schöner Text!
Ich bin Buchhändlerin in einer Kleinstadt in Bayern, lese gerne Ihre Rezensionen, auch wenn ich es nicht immer schaffe, alle neuen zu lesen!
Es grüßt Sie herzlich
Angelika Förster

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