Neulich an einer Hochzeit

by Manuela Hofstätter on 15. April 2012

neulich an einer hochzeit

Es ist wieder einmal so weit, ich darf an einer Hochzeit teilhaben, meine ehemalige Lehrfrau heiratet, ich bin als Gast mit dabei und darf also in die Kirche und ans Apéro. Ich schmunzle, denn ich weiss, dass die sehr junge Braut eben auch eine sehr junge Mutter wird und also im Hochzeitskleid tatsächlich ein bisschen sahnebaisermässig aussehen wir. Aber die junge Frau ist eine wahre Schönheit, ich erinnere mich an das naive Mädchen, welches in die Ausbildung kam und dann erblühte zur jungen Frau. Manche gute Diskussion haben wir geführt und viel gelacht, sie kann lachen, wie kaum jemand Anderes das kann. Vor ein paar Wochen traf ich sie noch in Thun und sie erzählte mir, wie und wo sie so im Leben steckt und eben auch vom Geheimnis, das in ihr steckt, das war aber auch schon gut sichtbar, das Bäuchlein. Gewundert hat es mich aber doch, denn diese junge Frau ist von ganzen Herzen eine überzeugte Christin, so sehr, dass sie auch jeglichem Sex vor der Ehe abschwören wollte.

Hoppla, dachte ich damals, und referierte vehement dagegen und warnte auch vor der Macht der Verliebtheit und deren Verführungskraft. Ich vertrete auch die Meinung, dass man alles austesten muss, bevor man dann heiratet, man stelle sich vor, man trifft sonst eventuell auf die totale Flaute im Bett. Nun, diesbezüglich muss ich mir nun gar keine Sorgen machen, meine Kollegin hat ihren Mann getestet und der hat gleich gezeigt, dass er was taugt. Ob ich wohl da ein wenig Einfluss genommen habe auf meine Kollegin? Das junge Paar wohnt zurzeit noch jeweils bei seinen Eltern, beide stecken noch in Weiterbildungen und es gilt nun zu heiraten, Eltern zu sein und den Alltag zu meistern. Ich denke ganz bange, Mensch, das ist ganz schön viel, und wie sie so vor mir sitzt, positiv, aber eben doch nicht mehr ganz so unbeschwert, wie in meiner Erinnerung, da mache ich Pessimist mir so meine Gedanken. Aber heute ist es so weit, der Hochzeitstag zeigt sich kühl und regnerisch, ich reise freudig ans Fest.

Also, ganz ehrlich ist mein letzter Satz nicht, ich habe einen riesigen Stress hingelegt, bevor ich endlich meine Familie verlasse. Das Kleid ist mir zu eng, hoffentlich sprenge ich es nicht am Fest, das Parfum bleibt unbenutzt, das Geschenk fürs Brautpaar, lässt sich nicht verpacken, wie ich es möchte und meine Kinder quengeln und ich bin böse zu meinem armen Ehemann. Ich rase zum Auto der Freunde, mit welchen ich fahren darf, mein Magen knurrt, ich bin eigentlich gerade so ziemlich überzeugt, dass Ehe und Kinderlein nichts mit Romantik zu tun haben und somit nicht in feierlicher Stimmung. Aber dann heitert es mich sogleich auf, unter Buchhändlerinnen und Freunden zu sein und so ein Fest ist doch der schönste Tag im Leben der Eheleute, ich denke gerührt an die eigene Hochzeitsfeier und vermisse sogleich meinen Mann, was musste ich auch so grantig sein zu ihm, ich blöde Kuh. Bald sitzt die Kuh in der Kirchenbank und bestaunt gerührt das junge Paar und beäugt neugierig die ganze Gesellschaft. Was man da nicht alles zu sehen bekommt, Frauen in Schuhen, die sie laufen lassen wie beschwipste Hühner, Männer, welchen man ansieht, wie gerne sie Hochzeiten beiwohnen und so weiter.

Aber es ist ein wundervolles Fest, die Menschen lächeln, ja klar, viele von ihnen sind eben sehr beseelte Gläubige, die wissen eben so eine kirchliche Trauung richtig zu schätzen. An dieser Stelle sei einmal gesagt, ich bin keine Atheistin, ich lebe lediglich eine recht offene Art von Religiosität, ich bin in der Landeskirche, aber keine eifrige Kirchgängerin, alles, was eng wird, in der Auslegung rund um den Glauben, macht mich fuchsteufelswild. Zwang und Drohungen, das geht gar nicht. Der Priester hier gibt alles, er hat ein Sprechtempo, da bin ich fast neidisch, aber was er da so alles sagt, das mag ich nicht wirklich so gut vertragen. Das hier ist eine Feier verflixt noch mal denke ich mir so und keine Moralpredigt. Das Paar muss Gott nur das Steuerrad übergeben und die Lebensführung in die Hände von Jesus legen, dann kommt alles gut. Puh, nachdem ich das Wort Gott bereits über fünfzigmal mitgezählt habe, gebe ich es auf, starre die Leitplanke an, welche das Paar geschenkt bekommt, es soll nie vergessen, dass man auf die Leitplanken achtgibt.

Ja, der Priester ist sogar auch lustig, aber mich machen diese Worte eher wütend. Als ich dann beim zweiten Lied einfach den Text nicht finde und hochrot anlaufe im Gesicht, als man mich sanft darauf hinweist, dass das Liedblatt in meinen Händen vorne und hinten bedruckt ist, da schäme ich mich dann doch so richtig, kurz zumindest, dann muss ich gegen einen Lachanfall ankämpfen ich böses Ding ich, Kuh eben, eine richtige Kuh. Ich beschliesse nun das Paar anzusehen, ich mag schliesslich diese Braut da vorne sehr gerne und ich finde, dieser Mann da neben ihr, der sieht richtig nett aus und er strahlt ebenso, für diese beiden stimmt jedes Wort des Priesters und darum ist dieses fest wundervoll. Was sich das Brautpaar dann in eigenen Worten noch verspricht, rührt mich dann zu Tränen, wusste ich es doch, ich weine ja an jeder Hochzeit. Der Priester hat mich auch noch erwischt, er ruft uns auf Freunde zu sein, das will ich, das will ich meinem Mann wieder mehr sein und meinen Liebsten im Umkreis und dieses Paar da vorne, auch wenn ich den Mann noch gar nicht kenne, ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass sie ihre Liebe leben dürfen und sie mit all den Aufgeben in welchen sie da gerade stecken gut zurecht kommen.

Ich finde nämlich dass die Liebe nicht wie in der Bibel dargestellt gnädig ist und vieles weitere Edle, das man ihr so nachsagt. Ich finde die Liebe kann auch ein ganz schön hartes Brot sein, brutal, und uneinsichtig und sehr launisch und sie kann sich sehr gut klein machen, fast gänzlich verstecken hinter dem fiesen Alltag einer Ehe und Familie. Aber ich weiss auch, dass man mit ihr arbeiten kann, wenn man wirklich will und noch genauer weiss ich dass Kinder und Familie für mich das allergrösste im Leben sind und mir Momente bescheren, welche pures Glück sind. Meine Güte, was so eine Hochzeitsfeier alles in einem auslösen kann. Zum Glück gibt es jetzt Wein, leckeres Essen und Tratsch, ich greife beherzt zu, nein, bleiben wir ehrlich, ich bin gierig, fast schon unanständig, ich fresse mich durchs Buffet und geniesse ein bisschen mehr Wein, als dass er mir gut tut, so am helllichten Tag.

Die Braut und den Bräutigam umarme ich gerne, ich hoffe, es kommt alles gut für sie, ich nehme mir vor, den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren. Auf dem Heimweg bin ich beseelt und bester Laune, ich knuddle meinen Mann, der ist irgendwie ein bisschen gestresst finde ich, die Kinder schreien laut, irgendwie bin ich froh wieder zu Hause zu sein, wobei, vielleicht hätte ich doch noch ein Glas mehr trinken sollen, meine Laune ist im Sinkflug, als mein Mann die Haustüre hinter sich zuzieht, um Einkäufe zu erledigen, denn unsere beiden Kinder schreien immer lauter…

Manuela Hofstätter

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{ 3 comments… read them below or add one }

1 Herr Oter April 15, 2012 um 17:37 Uhr

Toller Bericht, Manuela, gut geschrieben. Er gefällt mir sehr und es hat Spass gemacht ihn zu lesen.
In den meisten Ansichten habe ich mich wiedergefunden und ich denke, mir wäre es ziemlich ähnlich ergangen.
Liebe Grüsse und einen schönen Sonntagabend
(leider ohne Tatort ;) )

2 peppermoon April 15, 2012 um 20:11 Uhr

Ist ein super Beitrag geworden, spricht mir aus der Seele. War sehr schön, unser Mädchen gesegnet zu sehen, doch wenn die Zeremonienpredigt zur Moralpredigt wird, geht die Feierlichkeit beim besten Willen verloren. Und danke für die Buchhändlerinnenrunde :D

3 Erwi April 16, 2012 um 07:52 Uhr

Hallo Manuela, tut gut am Montagmorgen so einen Bericht, offen und ehrlich und frisch von der Leber weg geschrieben, zu lesen, danke.
Herzliche Grüsse
Erwin

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