Unser erstes Hochzeitsgeschenk

by Manuela Hofstätter on 4. Februar 2007

Es ist ja nun bekannt, dass ich meinen Lukas heirate (stand ja gross in der Zeitung…), natürlich werde ich nun oft diesbezüglich angesprochen, von Kundschaft oder einfach irgendwelchen Menschen. Ich muss dann immer lächeln und es wird mir bei jeder solchen Begegnung bewusst, dass ich tatsächlich in diesem Jahr heiraten werde, ich kompliziertes, verrücktes Huhn. Es laufen schon Vorbereitungen, so ein Fest gibt ja allerhand zu tun, aber es ist ja auch noch eine so lange Zeit bis dahin und es gibt noch andere Themen in diesen nächsten vier Monaten. Umso mehr staunte ich, als mir eine Bekannte in die Buchhandlung eine wunderschöne Rose brachte und mir zum Entscheid gratulierte, das war so süss. Diese Rose habe ich natürlich getrocknet und sie wird mich gewiss noch lange begleiten.

Aber dann komme ich zur Arbeit und unsere Lehrfrau Jasmin, streckt mir ein buntes Päckli entgegen, mit den Worten, dies sei mein erstes Hochzeitsgeschenk! Ehrlich, das fand ich im ersten Moment so abstrakt, dass ich laut loslachte, gewiss wollte sie mich zum Narren halten. Wer bekommt denn schon gut vier Monate im Voraus ein Hochzeitsgeschenk? Doch Jasmin, gewiss unser grösster Scherzkeks im Team schaute mich aus grossen Augen an, das Päckli offenbart eine ganz andere Geschichte:

Frau Pfäffli, ist eine etwas ältere treue Stammkundin unserer Buchhandlung. Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe, sie ist belesen und hat eine so weise und liebenswerte Ausstrahlung. Sie hat mir erzählt, dass sie eben meine Dorfkirche auch so mag und unseren kürzlich pensionierten Dorfpfarrer. Wenn Frau Pfäffli erzählt, glitzern ihre Augen wie Sterne.

Eben diese Frau Pfäffli hat mir nun dieses erste Hochzeitsgeschenk mitgebracht und Jasmin übergeben mit etwa dem folgenden Wortlaut: Sie sei krank, man habe einen Tumor entdeckt, da sie nicht wisse, ob sie bei meiner Hochzeit noch lebe, bringe sie dieses Päckli eben jetzt für mich vorbei, mit den liebsten Wünschen…

Ich kann nicht beschreiben, was in diesem Moment in meinem Herzen los war, ich strich bloss sanft über das Päckli und war fassungslos über diesen Schatz, den ich erhalten darf. Jasmin erzählte mir dann noch, dass Frau Pfäffli nicht traurig war, die Augen hätten beblitzt wie immer, aber sie sei recht abgemagert.

Ich hätte nicht damit gerechnet von Kundschaft der Buchhandlung beschenkt zu werden, aber wir dürfen ja immer wieder so besondere Momente erleben. Das Päckli mit den bunten Sommerblumen drauf liegt jetzt in der Küche, ich glaube, es hat auch Lukas Herz bewegt. So vergeht kein Tag, an dem mein Blick nicht an den bunten Blumen hängen bleibt und meine Gedanken dann zu Frau Pfäffli schweifen. Ich wünsche ihr Kraft und dass sie nicht grosse Schmerzen erleiden muss. Ich wünsche ihr gute Momente und bin sicher, dass so viele Menschen aus ihrem reichen Leben sich immer liebevoll an sie erinnern und besonders an ihre Augen. Ich werde das Geschenk erst an unserer Hochzeit auspacken. Aber das grösste Geschenk überhaupt ist die Liebe, die Liebe hinter diesem Päckli und dieses Geschenk, das bewahre ich als grössten Schatz in meinem Herzen und bin leise und dankbar dafür.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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