Wildromantischer Spaziergang

by Manuela Hofstätter on 5. April 2006

Wildromantischer Spaziergang (oder fremde Welt ganz nah)

Sonntag, die Sonne scheint, der Frühling lässt sich erahnen, da will man nur eins, raus aus dem Haus. Dies tun wir dann auch, du und ich. Du hast spontan am Computer, mit SwissMap 1:25000 eine tolle Wanderung zusammengestellt, wir gehen gerne auf einsamen, unbekannteren Pfaden. Bloss eine halbe Stunde Autofahrt, schon sind wir in einer unbekannten Gegend und wandern los. Herrlich, hie und da noch ein Rest Schnee, der sich wacker hält und nun doch gegen die Sonne den Kürzeren zieht, sich in wertvolles Wasser wandelt und so mithilft, dass es bald immer mehr grünen wird. Da ein paar Schafe, mit Lämmchen, so süss, dann bald eine erholsame Stille. Wir lauschen der Natur, dieser Vogelgesang, dieses Flüstern der Bäume im Wind, das Herz öffnet Tür und Tor, weidet sich an dieser Pracht. Ruhe kehrt ein, es riecht so frisch und lebendig, über Matten hin zum Wald geht’s weiter. Dort vorne schenkt die Natur uns einige Kunstwerke in Form bizarrer Baumstrunke, verwittert und wohl wissend wie magisch sie ausschauen. Weiter voran geht’s über eine Höhe, eine laue Briese streichelt das Haar, der Körper beginnt leicht zu schwitzen, die Atmung geht schneller und fröhlicher, der Kopf wirft allen Ballast aus seinem Speicher.

Da, plötzlich taucht ein Hof in unseren Blickfeldern auf, man hat so keine Lust nach Menschen. Das erste was ich sehe ist ein kleiner Privatschrottplatz, halbe Autos rosten vor sich hin. Sag ich es doch, bloss keine Menschen, Wut kocht rasch in mir hoch, mein Partner ärgert sich auch, die sollte man melden, so eine Sauerei. Schmutzig steht sie da diese Menschenbleibe, ein heruntergekommener Hof im Emmentaler Stil, da höre ich Musik…”Du Schatz, da spielt jemand Schwitzerörgeli”, nicht dass ich diese Musik mag, doch der Gedanke, lässt mir diese nun leider auftauchenden Menschen gleich wieder lieblicher erscheinen, Menschen, die Musik machen. Schatz gefällt das gar nicht, das komme gewiss aus dem Radio, welcher eh den ganzen Tag sinnlos laufe bei manchen Leuten. Gerade eben bei solchen Leuten denke ich und ja, er hat ja meist recht, denke ich weiter, ich bin einfach zu romantisch. Doch da, was sieht mein Auge. Auf der abfälligen Laube, sitzt ein “Muetti” und “örgelet”. Daneben ist eine zweite Frau, gebeugt, wahrscheinlich von der Arbeit, aber nicht vom Leben, denn sie singt falsch und fröhlich in die Welt hinaus. Es ist nicht der Triumph, das ich recht behalten habe, es ist diese Stimmung, dieses Wildromantische, die Intimität dieser Menschen, die uns gar nicht bemerken, was mich so berührt.

Alle bösen Gedanken sind weg. Wir gehen weiter und in mir ist ein unbeschreibliches Gefühl, Glück, pures Glück, eine Weile höre ich noch diese Töne und ich weiss genau, ich werde diese Szene niemals vergessen. Ein arger Hang steht nun bevor, die Sonne scheint uns auf die Buckel und ich bin langsam müde, doch auch dies ist bald geschafft. Oben angekommen strahlt uns eine knallgelbe Bank an, wir setzten uns auf sie und trinken gierig unser Wasser. Bald ist diese Wanderung zu Ende, wir kehren heim, der See und unser Dorf sind in Sichtweite. Ich aber habe das Gefühl, weit weg gewesen zu sein, ich sah Steine wie sonst nirgends, Natur pur und ganz fremde Ein- und Ausblicke. So nah liegt oft das Glück!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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