Die Diebin in mir

by Manuela Hofstätter on 4. Juni 2009

 

Es ist ein regnerischer Abend, ich muss aber nach draussen und erst noch zum Sport, also hetzte ich mit Sporttasche und meinem Lieblingsknirps zur Busstation. Mein Lieblingsknirps darum, weil er klein und schwarz ist und das Beste, dieser Schirm lässt sich nicht nur per Knopfdruck öffnen, nein, er schliesst sich auch auf dieselbe Art und Weise wieder. Konkret heiss dies, man kriegt nie nasse Hände und kann das Teil elegant versorgen in jeder Lebenslage. Nur leider muss ich nun unterwegs festellen, dass mein treuer Schirm auf dem Boden, neben der Bank an der Haltestelle liegengeblieben ist, so ein Mist aber auch!

Was solls, denke ich mir, vielleicht habe ich ja Glück und er liegt wenn ich heimkehre, in  gut zweieinhalb Stunden immer noch dort, weil die Menschen doch nicht so schlecht sind wie man oft behauptet. Also gebe ich beim Wassersport alles und hechte danach mit pitschnassen Haaren zur Busstation um schnell nach Hause zu kommen. Au weh, nun giesst es vom Himmel wie aus Kübeln, ich möchte eigentlich nicht wieder baden und zudem hab ich doch den hartnäckigen Schnupfen eben erst weggekriegt und es windet ganz schön frisch. An der Busstation ist kein Mensch, aber ein grosser sonnengelber Regenschirm steht verlassen dort, na ja, kein Knirps, aber ich weiss nicht wie mir geschieht, ich nehme den Schirm hastig an mich und steige mit ihm in den angekommenen Bus. Das sonnengelb ist wirklich schön, es handelt sich um einen robusten Schirm, fein denke ich mir, so komme ich trocken heim. Ein ganz kleines Bisschen plagt mich das schlechte Gewissen, so etwas habe ich noch nie gemacht, plötzlich gehöre ich zu den Dieben dieser Welt. Unruhig mustere ich denn auch die Fahrgäste, wie peinlich wäre es, wenn plötzlich jemand rufen würde, ach sie haben ja meinen Schirm! Nichts dergleichen widerfährt mir und als ich zu Hause aussteige, stelle ich fest, mein Lieblingsknirps ist weg. Aber irgendwie regt mich dies nicht so auf, wie es normalerweise der Fall ist bei solchen Erlebnissen. Trocken kehre ich heim, die Welt ist wie sie ist, mein Himmel zur Zeit sonnengelb. Ja und die Menschen, sind eben auch nur Menschen nicht wahr?

PS: Da ich mich, neu unter Dieben doch nicht ganz so wohl fühle, und die Ausrede, ich habe ja selbst bloss für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt mich nicht wirklich überzeugt und beruhigt hier ein Angebot:

Wenn Du Besitzer dieses gelben Schirmes dies lesen solltest, ich gebe den Schirm mit einer süssen Mietgebühr gerne zurück. Der Schirm hat noch einen Text darauf, den müsstest Du mir aber nennen, kann ja schliesslich sonst jeder kommen und dieses Gelb, ich muss sagen, es gefällt mir ausnehmend gut.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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