Die Buchhändlerin, die in Olten aus dem Zug stieg, um den Schweizer Buchpreis zu suchen

by Manuela Hofstätter on 30. September 2016

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Es ist ein prächtiger Tag, kein Nebel klebt über Olten, als ich aus den Zug steige, herrlich die paar Schritte entlang der Aare über die schöne Holzbrücke und flugs bin ich schon in der ersten Buchhandlung von Olten angelangt, in der Kirchgasse bei Schreiber. Eine Buchhandlung, wie man sie sich nur wünschen kann, draussen Tische, die Literatur schon servieren, drinnen ein famoses, breites Sortiment und hier bin ich ganz guter Dinge, was die Präsentation der nominierten Titel zum Schweizer Buchpreis anbelangt.

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Da stehen sie, ich werde nicht enttäuscht, vier Titel gut präsentiert, das Buch von Frau Steinbeck sei nicht lieferbar, man warte auf die nächste Auflage, werde ich sogleich kompetent aufgeklärt. Die junge Buchhändlerin Céline Zimmerli kann zu jedem Buch eine kurze Angabe machen, sie ist gut informiert, hat die Titel studiert und angelesen. Das Gespräch ist bereichernd, Céline Zimmerli arbeitet 60 Prozent in der Buchhandlung und daneben absolviert sie noch die Berufsmaturitätsschule. Ich bin beeindruckt, kaufe beschwingt noch einen Roman und einige nette Sachen mehr, hier würde ich auch gerne arbeiten, hier fühlt man die Begeisterung für den Beruf.

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Die Suppenstube Olten lockt mich an, ich hab Hunger, die Buchhändlerin lebt nicht von Buchstaben allein, die stärkende Suppe schmeckt himmlisch, Olten vermag mich immer mehr zu begeistern. Auf in die kleinere Buchhandlung am Klosterplatz. Ein wunderbarer Laden auch hier, die Schweizer Autoren sind schön präsentiert, an der Theke steht ein Buchhändler mit einem eleganten, reiferen Herrn ins Gespräch vertieft. Eine Buchhändlerin kümmert sich sofort um mich, hier sind die Nominierten schön bei der Kassentheke aufgestellt und auch hier fehlen Titel, aber ich werde gut informiert warum und sofort entspannt sich auch hier ein Gespräch.

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Auf mein Bekenntnis hin, ich sei Frau Lesefieber, reagiert der Buchhändler sogleich, er kenne meinen Blog, und wir sind sofort in ein hochspanendes Gespräch verwickelt, fast wäre der elegante Herr ins Vergessene geraten, aber da kommen wir über Lewinsky zu Pedro Lenz und zu der Tatsache, dass sein neues Buch heute Erstverkaufstag hat. Da kommt Leben in den Herrn, er mischt mit in unserem Gespräch, da knüpft dann der Buchhändler, übrigens ist es der Inhaber Christian Meyer, wie ich dann erfahre, galant an und stellt mir den Oltener Künstler Urs Borner vor und so halte ich umgehend dessen Werkbuch in meinen Händen und bin überwältigt von so vielen glücklichen Fügungen. Urs Borner kommt im neuen Buch «Di schöni Fanny» von Pedro Lenz vor, sie beide seien gute Freunde! Zudem kommt man in Olten ja nicht an Alex Capus vorbei, will man auch nicht, leider hat seine Bar noch nicht geöffnet, ich täte nichts lieber, als mit diesen beiden inspirierenden Männern dort weiter zu diskutieren, aber ich kann Capus Bar sehen, auf einer Fotografie in Borners Werkband, wie auch auf dem Gemälde, das Borner von der Bar gemalt hat und welches in ebendieser hängt, der Capus hat es ihm drum abgekauft!

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Der charmante Urs Borner bietet mir das Du an, was mir den Rest gibt. Olten hat mich einfach umgehauen, welch ein Ort, welche Begegnungen, was bin ich doch für eine glückliche Buchhändlerin. Urs Borners Buch wird signiert heimgetragen, ich streichle es immer wieder, welch ein Mann, dieser Künstler, ich fand keine Worte mehr, seine Ausstrahlung liess mich verstummen und das will was heissen. Mit einem entrückten Grinsen fahre ich heimwärts, Olten vergesse ich nicht so schnell wieder.

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Was den Schweizer Buchpreis angeht, wegen dem ich ja überhaupt in Olten war, muss ich sagen, die Buchhändler dort sind famos, vor allem das lange Gespräch mit Christian Meyer hat mich tief beeindruckt, ich habe seine Ansichten und sein Wissen wie auch seine fundierte Meinung gerne aufgenommen. Solche Tage sind für mich Lebenselixier pur, solche Tage können kein Zufall sein, alles hat gestimmt, wäre ich zuerst in die andere Buchhandlung gelangt, dann hätte ich bestimmt vieles verpasst. In Thun kaufe ich die erste Schweizer Illustrierte meines Lebens, nein, sie hat keine Homestories zu den Nominierten abgedruckt, aber ich kann Urs mit Pedro in seinem Atelier bewundern!

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Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 4 comments… read them below or add one }

1 Urs Heinz Aerni Oktober 2, 2016 um 06:55 Uhr

Danke für den schönen Bericht. Olten hat schon was. Vor kurzem erlebte ich als Teilnehmer die Veranstaltung Knapp Live in der Schützi zusammen mit Brigitte Schär, Judith Stadlin, Michael von Orsouw und Philipp Galizia. Rund 250 Menschen saßen im Saal, kamen nach einer Pause wieder und blieben bis zum Schluss. Zwar gibt es die gute alte Buchmesse im Stadttheater nicht mehr aber was sonst so rund ums Buch in dieser Stadt läuft, kann sich sehen lassen.

2 Offener Bücherschrank Olten Oktober 4, 2016 um 14:32 Uhr

Nur ein paar Meter weiter bei der Buchhandlung Schreiber wäre der offene Bücherschrank Olten gestanden. ;-) Liebe Grüsse

3 Manuela Hofstätter Oktober 4, 2016 um 21:19 Uhr

nächstes mal besuche ich den bücherschrank natürlich ebenfalls ;-) danke!

4 Christian Meyer Juni 28, 2017 um 19:33 Uhr

Ich gebe es zu: es ist zwar schon ein Weilchen her, sich aber für einen begeisternden Blog herzlich zu bedanken muss sein, nach dem Motto: “Lieber spät als gar nie.” Dein Besuch hat uns dazumal sehr gefreut und mit Interesse und Spannung verfolgen wir Dein weiteres Wirken (natürlich auch in den Bibliotheken). Und nicht vergessen: https://www.buchfestival.ch/ Herzliche Grüsse aus Olten: Christian Meyer, Buchhandlung Klosterplatz

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