Die Verleihung des Schweizer Buchpreises 2016

by Manuela Hofstätter on 13. November 2016

Die Verleihung des Schweizer Buchpreises 2016

Christian Kracht hat heute den Schweizer Buchpreis 2016 gewonnen, ich gratuliere ihm. Dass Herr Kracht aber einfach verschwindet, das kann ja einfach nicht sein, ich kann alle anderen Nominierten erreichen, alle signieren mir ihr Buch, nur der Gewinner nicht. Auch wenn ich in der Literatursendung Buchzeichen am Nachmittag vernehme, Christian Kracht sei überwältigt gewesen und deswegen in sein Hotel geflüchtet, hilft diese zudem noch zweifelhafte Information mir nicht, meinen Frust zu verdrängen. Banal ausgedrückt, ich erwarte ein Dankeschön gegenüber den Anwesenden. Ich hätte völlig verstanden, wenn der Autor verkündet hätte, er sei überwältigt und es fehlten ihm die Worte, aber so empfinde ich sein Verhalten als Affront gegenüber den Anwesenden, den Medienschaffenden und dem Organisator.

Für den Schweizer Buchpreis würde ich mir in Zukunft mehr Nähe zum Handel und zur Leserschaft wünschen. Bei der Abstimmung auf SRF hat das Publikum Sacha Batthyany gewählt, auf lesefieber.ch ergibt es dasselbe Resultat, und ja, ich gebe unumwunden zu, ich habe ein paar Tränen vergossen, weil nicht Batthyany den Preis bekommen hat. Literatur finde ich, ist dann gut, wenn nicht nur eine verschworene, oft auch etwas abgehobene, kleine Schicht von studierten Lesenden diese hochjubelt. Für mich ist Literatur dann gut, wenn sie es versteht, möglichst eine breite, vielfältige Masse von Menschen zu erreichen, wenn sie die Lesenden aufwühlt, berührt, abholt und sogar Leute zum Lesen bringt, die nicht regelmässig Bücher lesen. Wenn vom Professor bis zum Lastwagenchauffeur – ich weiss, das ist etwas überspitzt ausgedrückt – eine Begeisterung für ein Buch durchschlägt, wenn die Buchhandlungen ein Buch in einer gewissen Menge verkaufen und die Verlage Auflagen nachdrucken können, dann finde ich, bin ich stolz auf ein Werk.

Nun, es war ein gelungener Anlass heute, das Ende gibt vielleicht noch ein wenig zu reden, oder auch nicht, denn offenbar ist Christian Kracht ein Phänomen, für welches gewisse Regeln sowieso nie gegolten haben.

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Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 alexandra beutler November 13, 2016 um 23:04

tja, schon wieder hatt die jury ein sehr spezielles, inklusiv dem autor, nicht der breiten leserschaft entsprechendes buch erkoren!

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