Die Preisverleihung des Schweizer Buchpreises 2017

by Manuela Hofstätter on 12. November 2017

Der SBVV feiert 10 Jahre Schweizer Buchpreis und der Geschäftsführer Dani Landolf beweist sein Können in einer mehr als schwierigen Situation. Die Feier am Vorabend der Preisverleihung verläuft leider ganz und gar nicht ehrenhaft und es bringt nichts, sich darüber noch mehr äussern zu wollen. Die NZZ hat dies zum Glück schon hervorragend getan heute: Eine gründlich missratene Geburtstagsparty!

Heute, bei der Verleihung, zeigt sich die ganze Tragweite des Desasters, der nominierte Autor Urs Faes ist abwesend, was ich als logische Folge des Vorabends ohnehin schon befürchtet habe. Urs Faes wurde übelst verletzt und erneut mit einer alten Geschichte konfrontiert, was schlicht und einfach unfassbar dumm gelaufen ist. Die Preisverleihung läuft und die Abwesenheit von Urs Faes wird nicht näher erläutert, er lasse sich entschuldigen. Ich fühle eine Unmut in mir aufsteigen, welche ich nur schwerlich im Zaum halten kann. Wir alle sind Menschen, darum machen wir auch Fehler, doch ich habe wirklich meine liebe Mühe, sitzt der Kritiker Martin Ebel, der alles ausgelöst hat, doch in meine Nähe. Einzig eine Aussage des Kritikers kann ich stehen lassen, er zerriss vor sieben Jahren das Buch Paarbildungen von Urs Faes, sein gutes Recht, ja gar seine Aufgabe, und ich verstehe absolut, dass er von seiner damaligen Meinung nicht abrückt, das würde ja bedeuten, dass er sich selber verleugnet. Aber dass er diese alte Geschichte am Vorabend der Preisverleihung erneut von sich gibt und auch geben darf, das grenzt für mich an eine grobe Verletzung jeglicher guten Manieren. In der Folge dieses peinlichen Vorfalls ärgert sich Urs Faes zurecht so sehr, dass er der Veranstaltung fernbleibt. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass die Tatsache dieser Abwesenheit des grossartigen Autors und Menschen Urs Faes viele, sehr viele Menschen mit einer grossen Traurigkeit erfüllt hat. Und ja, es flossen Tränen, Tränen von mehr als einer Person. In Folge dieser Trauer beschliessen drei ehemalige, preisgekrönte Autorinnen und Autoren die Bühne zu betreten und in einer beherzten Aktion ihre Befindlichkeit darzulegen. Es sind dies: Melinda Nadj Abonji, Lukas Bärfuss und Monique Schwitter. Ihre Aktion berührt, wird allerdings bei der Liveübertragung vorerst aus irgendwelchen Gründen und wie auch immer ausgeblendet, aber dann abends in voller Länge und mitsamt Stellungsnahme ausgetragen. Noch immer ist dieser Beitrag online nicht verfügbar, deshalb hier mein Mitschnitt als Video:

Später erfahren wir, und es war ja nicht mehr wirklich eine Überraschung, der Preisträger heisst Jonas Lüscher. Lüscher liefert eine perfekte Dankesrede ab mit dem Ratschlag, man möge nun in der Winterzeit doch alle fünf nominierten Romane lesen.

Es ist einiges schief gelaufen im Jubiläumsjahr des Schweizer Buchpreises, ich mag nicht mehr darauf eingehen, finde, Lukas Bärfuss hat es bestens auf den Punkt gebracht, es ist ein Wettbewerb, da nimmt alles Tempo auf und es ist wichtig, Sorgfalt zu bewahren. Diese Sorgfaltspflicht wurde unglücklicherweise verletzt. Der SBVV leidet sicherlich unter diesen Vorfällen und darum möchte ich dem Verband dennoch meine Gratulation entrichten. Dani Landolf agierte beherzt, sensibel, ich weiss, er mag das Buch von Urs Faes auch sehr und kann nicht mehr machen, als aus den Fehlern Schlüsse zu ziehen und das Fest heute möglichst würdevoll noch zu Ende zu bringen. Genau das möchte ich nun auch noch tun, hier mit meinem Text. Es sind Menschen aufgestanden, haben sich eingebracht, sie haben halt gesagt, so nicht, und sie alle haben bewiesen, dass der Schweizer Buchpreis ein Qualitätsprodukt ist. Fehler passieren, wichtig ist nur, dass sie erkannt werden. Persönlich hat mir Urs Faes so sehr gefehlt, dass ich eine fast schlaflose Nacht hatte, gerne im Traum einen gewissen Kritiker in die Pfanne gehauen hätte und dann aber merkte, hey, wir können etwas tun und es wird auch etwas getan. Darum meine Empfehlung; lesen wir Urs Faes, kaufen wir sein Werk. Die Preisverleihung ansonsten war eine gelungene, würdige Feier, der Rückblick mit vergangenen Preisträgern stimmig, Peter von Matt sorgte für ein heiteres Gelächter. Ich habe mich riesig gefreut, den jungen Bloggerkollegen Josia zur Preisverleihung gelockt zu haben.

Es war mir eine grosse Ehre auf Gerhard Becker zu treffen, der Schweizer Buchbon wurde mit ihm vertreten und es bereitet mir grosse Freude, darf ich Botschafterin für sie sein.

Auch die Begegnung mit Menschen, welchen man sonst fast nur digital folgt, war bereichernd. Sehr gefreut hat mich auch die Begegnung mit den zwei engagierten Frauen aus dem Zytglogge Verlag, wie auch der Austausch mit dem geschätzten Kollegen Gallus Frei vom literaturblatt.ch.

Nicht zuletzt genoss ich es, mit meinem Mann und Manager wie Designer von meinem lesefieber.ch mitten dabei zu sein in diesem aktuellen, literarischen Geschehen.

Ich danke dem SBVV und den Sponsoren für ihre immense Arbeit und gratuliere Jonas Lüscher zum Schweizer Buchpreis 2017. Und in meinem Herzen verneige ich mich vor Urs Faes, ich habe tiefes Verständniss für sein Fernbleiben.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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