Die sind ja aber auch erst nominiert …!

by Manuela Hofstätter on 2. Oktober 2017

Murten, geschichtsträchtig, jederzeit eine Reise wert, finden mein Mann und ich und besuchten letzten Samstag die herrliche Stadt. Wir wandelten auf den Stadtmauern, träumten uns in alte Zeiten und wieder zurück und ganz besonders freute ich mich, die Altstadtbuchhandlung zu besuchen. Ein früherer Besitzer dieser Buchhandlung war und ist für mich der beste Verlagsvertreter weit und breit und ich weiss, er hat seine Buchhandlung in Murten seinem motivierten und garantiert fabelhaften Team verkauft. Diese Buchhandlung ist klein aber fein, das Sortiment ist äusserst sorgfältig zusammengestellt, das Team hat eine herrliche, liebevoll und aufwendig gestaltete Website, im Schaufenster lädt ein antiker Lesesessel ein, um in den ersten Oktobertagen im Fenster Platz zu nehmen und zu lesen, ein tolle Idee!

Voller Freude betrete ich dieses schöne Reich mit sicherem Gefühl, hier ein lebendiges Gespräch über die nominierten Autoren des Schweizer Buchpreises in diesem Jahr führen zu können. Allerdings entdecke ich weder Flyer zur Sache noch nominierte Romane, ich frage also hoffnungsvoll nach. Die Buchhändlerin setzt sich an den Computer, rasend schnell kann sie mir die nominierten Autorinnen und Autoren nennen und auch ebenso schnell fügt sie in eher barschem Ton hinzu: “Die sind ja aber auch erst nominiert …!”

Kraft von Jonas Lüscher sollte sich an Lager befinden, ist aber nicht auffindbar, dafür ziehe ich erleichtert den Roman von Julia Weber aus dem Regal. Macht ja nichts, versuche ich mein Erstaunen wegzureden, doch die Buchhändlerin hat mich schon abgeschrieben, sie scheint mir keinen anderen Tipp aus ihrem Leseschatz anbieten zu wollen. Ich gebe zu, ich ringe etwas um Fassung, dieses Team hier, das ist bekannt dafür, dass es gut ist. Jeder hat mal einen schlechteren Tag, sage ich mir und kaufe schliesslich ein Jugendbuch für meinen Sohn. “Sie bezahlen mit Gutschein?”, das erklingt dann auch nicht so fröhlich und ich schrecke davor zurück, mich als Berufskollegin wie auch als Botschafterin des Schweizer Bücherbons zu outen. Bestimmt liegt das heute an mir, ich muss arrogant wirken irgendwie, oder liegt es an meinem Pickel, den ich morgens in meinem Gesicht entdeckt habe? Macht ja nichts, denke ich erneut und spüre in dem Moment neue Bibeli wachsen.

Egal, Murten ist wunderbar und auch seine Buchhandlung, einzig dieser Satz: “Die sind ja aber auch erst nominiert …!”, der wird mich wohl noch lange begleiten und eher mit Unverständnis erfüllen. Die fünf nominierten Autorinnen und Autoren des Schweizer Buchpreises sind durch ihre Nomination bereits ausgezeichnet, werden alle einen Betrag erhalten und eine oder einer von ihnen wird gewinnen. Ich stelle fest, dass die Gewichtung dieses Preises in der Branche also immer noch unterschiedlich ausfällt, und finde es doch schade, denn diese fünf Titel im Sortiment zu führen, ist wie ich finde ein kleiner Aufwand, der doch die Literatur der Schweiz ehrt.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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