Gedanken vor dem grossen Tag der Verleihung des 10. Schweizer Buchpreises 2017

by Manuela Hofstätter on 11. November 2017

So intensiv wie dieses Jahr, habe ich mich persönlich noch nie engagiert rund um den Schweizer Buchpreis und ich muss sagen, diese Arbeit hat mir viel Freude bereitet und mir Literatur in neuen Formen nähergebracht, welche ich sonst nie gelesen hätte. So vielfältig ist das literarische Schaffen, das ist beeindruckend. Auch habe ich mich mit vielen anderen bibliophilen Menschen über die nominierten Titel unterhalten, da wurden Freundschaften geknüpft, diskutiert und gelobt, gestritten und viel Gefühl und Zeit investiert. Ich finde, dies ist eine grandiose Tatsache, dass sich doch noch so viele Menschen Zeit nehmen wollen zum Lesen, zum sich auseinandersetzen mit der Literatur, und dies in unserer Zeit, einer Zeit, wo es den Menschen an Zeit fehlt.

Gerne erinnere ich mich hier noch einmal an ein versiertes Gespräch mit der Buchhändlerin Frau U. Dietrich, welche in der Orell Füssli Filiale in Thun die Belletristik betreut und mit mir über Jonas Lüschers Roman “Kraft” gesprochen hat. Frau Dietrich hat mich auf viele Facetten in “Kraft” aufmerksam gemacht, die ich überlesen habe oder welchen ich zu wenig Beachtung geschenkt habe. Diese Berufskollegin hat mich mit ihrer Begeisterung angesteckt und wir kamen verschwörerisch lächelnd auf den Punkt, dass der Herr Lüscher auch ein wenig ein “Schlitzohr” ist, einer, der uns, die Schweizer wie auch die Menschheit, mit Weitblick und Weitsicht betrachtet und sich dabei auch gut amüsiert.

Nun, wenn ich jetzt öfter gefragt werde, welchen Tipp ich abgebe, wer denn wohl den Preis gewinnt, ich weiss es nicht. Die Jury weiss es auch noch nicht, das bleibt bis zum letzten Moment spannend. Aber ich gebe doch einen Tipp ab, Jonas Lüscher wird den Preis bekommen!

Ich persönlich mag dieses Jahr alle Werke auf eine gewisse Art und Weise und werde mich in jedem Fall mitfreuen können. Gerne sähe ich aber den Preis bei Urs Faes, er ist in dieser Auswahl der erfahrenste Autor, steht für eine Art zeitlose, klassische Literatur ein, welche ich zumindest in unserer Zeit sehr vermisse. Die salopp bezeichnet junge, wilde, experimentierfreudige Literatur überwiegt in diesem Jahr und sie hat sich gut präsentieren können. Jonas Lüscher und Urs Faes teilen die Gemeinsamkeit, dass sie beide schon einmal nominiert waren, jurytechnisch empfinde ich dies fast als Muss, nun einer dieser beiden Autoren auszuzeichnen, ich weiss aber, dass das keine Rolle spielt, die Jury konzentriert sich voll und ganz auf die Werke und auf nichts anderes. Frau Clavadetscher und Herr Holliger haben auch einen gemeinsamen Nenner, sie schreiben für die Bühne und haben sich nun auf die Leserinnen und Leser eingestellt und eine andere Form ihres Schaffens gefunden, werden sie vielleicht morgen auf der Bühne zur Hauptperson? Julia Weber hat laut Umfrage am meisten Anklang gefunden, doch auch dies ist der Jury egal. Mich hat diese Autorin beeindruckt, vor allem mit ihrer Sicht auf die Frau in der Rolle der Mutter. Eine Rolle, welche die Allgemeinheit recht eng und genau definiert, wie sie denn zu sein hat und sein darf. Frau Weber sprengt diese Rollenbilder.

Ich reise also nun nach Basel, voller Neugier, voller Freude auf ein rauschendes Fest zu Ehren des Schweizer Buchpreises, welcher nun zum 10. Mal vergeben werden kann. Literatur lebt, bewegt, das wird sie immer tun und das ist das absolute Glück, egal, in welcher stürmischen Zeit und Welt wir leben.

Link zum Voting zum Schweizer Buchpreis 2017

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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